Bericht von Christian vom 27.10.2021:

Meine Aufgabe / Tätigkeiten dort?
In guter, sich wöchentlich wiederholender Tradition haben wir als erstes nach Ankunft in Dernau unser Nachtlager in der Grundschule eingerichtet.
Am Samstag haben wir uns nach dem Frühstück dem Tag der Straßenreinigung angeschlossen. Zu dieser Aktion hatten sich verschiedene Feuerwehren mit zehn Tanklöschfahrzeugen in Dernau versammelt, um die Straßen und Bürgersteige von festgesetztem Schlamm, Schutt, Müll und Öl zu befreien. Zu diesem Zweck teilten wir uns in zwei Gruppen auf. Eine Gruppe reinigte die Gehwege von Schlamm und Öl und die zweite fuhr durch die Straßen, um zerstörte Möbel und andere Güter aufzuladen und zur Mülldeponie zu fahren.
Am Sonntag haben wir die Außenwände der neuen Fahrzeughalle in Holzbauweise wetterfest gemacht und Steine für einen Transport nach Dieburg geladen.
Danach haben wir dann unsere Unterkunft abgebaut und unsere Sachen wieder verlastet. Um 16 Uhr haben wir uns auf den Rückweg Richtung Dieburg gemacht.

Was hat mich bewogen, mit nach Dernau zu fahren?
Nach einigen Bilder und Videos war mir klar, dass ich den Menschen vor Ort helfen möchte.

Was war mein erster Gedanke, als ich ins betroffene Gebiet eingefahren bin?
Oh weh die Armen Anwohner. Bilder und Videos können das Maß an Zerstörung nicht im Ansatz treffend genug beschreiben.
Hier gibt es über viele Jahre sehr viel zu tun.

Mein schlimmster Eindruck?
Selbst nach Monaten nach dem Unglück gab es keine Leitungswasser- und Gasversorgung. Mehrere Häuser waren bis in den zweiten Stock überschwemmt.
Bahnstrecken und Brücken sind zerstört bzw. weggespült worden. Es gibt viele Häuser und damit Lebensräume von Familien, die man nur noch abreißen kann.

Mein positivster Eindruck?
Nach all dieser Zerstörung trotzen die Anwohner und Helfer nur so vor Tatendrang. Jeder hilft jedem der Hilfe braucht. Egal ob Jung oder Alt.

Will ich nochmal nach Dernau fahren?
Auf jeden Fall.

 

Bericht von Volker vom 22.10.2021:

Was war unsere Aufgabe vor Ort?
Unsere primäre Aufgabe ist die Übernahme der Einsatzbereitschaft für die Freiwillige Feuerwehr Dernau. Nahezu alle Kameraden sind von der Flut betroffen. Neben ihrer regulären Arbeit sind sie nun damit beschäftigt, den Schaden des eigenen Eigentums zu richten. Durch die Übernahme der Bereitschaft können wir die Kameraden daher ein Stück entlasten. An diesem Wochenende gab es nur eine Alarmierung für uns.
In der verbleibenden Zeit versuchen wir die Dernauer Wehr und Bürger zu unterstützen, wo immer es möglich ist.
Aktuell haben wir die Decke und Wände der neuen Fahrzeughalle mit Gipsfaserplatten verkleidet, eine Dampfsperre in einem Raum angebracht, einen Baum für einen Dernauer Bürger zerkleinert und diverse Transportfahrten vorgenommen.
Durch die große Entfernung zwischen Dieburg und Dernau haben wir leider große Fahr- und Rüstzeiten. So müssen zusätzlich zur Fahrtzeit noch unsere Fahrzeuge umgeladen werden, der provisorische Schlafplatz mit Feldbetten hergerichtet und nach der Rückkehr müssen unsere Fahrzeuge und das Material wieder gepflegt werden.

Was hat mich bewogen, mit nach Dernau zu fahren?
Die Region kann jede Hilfe gebrauchen. Ich bin in der glücklichen Lage, bislang von Unglücken verschont geblieben zu sein. Durch meine Arbeit in der Feuerwehr habe ich eine gute Möglichkeit mich auch trotz der großen Entfernung sinnvoll einzubringen.

Meine Gedanken, als ich in das betroffene Gebiet eingefahren bin
Die Bilder komplett zerstörter Häuser und nicht mehr existierende Straßen muss man erst mal setzen lassen. Manche Häuser haben Kennzeichnungen, dass hier ein Öltank das Gebäude verunreinigt hat oder dass das Haus abgerissen werden muss. Im Laufe der Tage kam ich an weitere Orte, die nachdenklich machten – von der Flut weggerissene Brücken, weggespülte Bahndämme, der Friedhof.

Mein schlimmsten Eindrücke
Das Unglück ist nun 14 Wochen her. Wenn man heute 30 Meter von der Ahr durch den Ort geht, nimmt man den Schaden auf den ersten Blick nicht wahr. Alles ist trocken, die Straßen sind inzwischen sauber und von Schutt befreit. Viele Wohnungen stehen jedoch leer, bislang wurde dort nur das Mobiliar rausgeholt und entsorgt. Diese Wohnungen sind auch jetzt noch nicht bewohnbar. Heizung und Elektroinstallation sind noch nicht instandgesetzt. Die Klingelschilder wurden durch Handynummern ersetzt, unter denen die Eigentümer heute erreichbar sind. Viele Türen wurden in der Not aufgebrochen und sind provisorisch durch Vorhängeschlösser gesichert. Das lässt nur erahnen, was sich dort an Dramen abgespielt haben.

Meine positivsten Eindrücke
Die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung ist enorm. Hier ziehen Handwerkerkolonnen durch den Ort, ausgestattet mit Werkzeugwägen und fragen, wo sie unterstützen können. Wenn eine Baustelle fertig ist, wird zum nächsten Gebäude gezogen. Viele einzelne Helfer reisen auch heute noch in Helfershuttles an und bekommen vor Ort eine Arbeit zugewiesen. Auch wer nicht handwerklich oder körperlich unterstützen kann, unterstützt die Helfer und Bürger mit selbstgebackenen Kuchen.
Neben uns waren auch noch weitere Kameradinnen und Kameraden der Xantener Feuerwehr vor Ort, die den Hof neu gepflastert haben.
Keiner der Helfer scheint ein „Danke“ zu erwarten. Man hilft, weil man es gerne tut und es kann.

Mein Dank geht an…
… an alle Helfer vor Ort, in welcher Form auch immer sie unterstützen.
… an alle, die für das Flutgebiet gespendet haben. Dies ist das Geld, das bereits jetzt verfügbar ist und die Betroffenen und auch die Helfer direkt unterstützt.
… den Dieburger Kameradinnen und Kameraden, die im Vorfeld des Wochenendes in der Küche tätig waren und uns somit den Freitagabend gerettet haben.
… die Stadt Dieburg, die es uns ermöglicht, einzelne Einsatzfahrzeuge mit in die Region zu nehmen. Dies ist ein enormer Mehrwert vor Ort.

Willst du noch einmal dorthin fahren?
Auf jeden Fall.

 

Bericht von Ve vom 15.10.2021:

Ich bin bereits das 5. Mal in Dernau gewesen. Ich war die ersten beiden Wochenenden dabei, dann zwischendurch einmal und die letzten beiden Wochenenden.

Meine Aufgabe / Tätigkeiten dort?

Wir sind Freitagmittag losgefahren und haben nach unserer Ankunft in Dernau erst einmal unsere Betten in der Schule aufgebaut. Samstags nach dem Frühstück stand der Weiterbau an der neuen Fahrzeughalle auf dem Plan. Außerdem mussten noch die Dachböden mit Styropor-Dämmung gedämmt werden. Sonntags wurde nach dem Frühstück weitergearbeitet und gegen ca. 14:00 erfolgte der Abbau unserer Unterkunft. Während des Abbaus kam es dann noch zu einem Einsatz in einem entkernten Haus aufgrund eines ausgelösten Rauchwarnmelders. Gegen 16:30 haben wir die Heimreise in Richtung Dieburg angetreten.

Was hat mich bewogen, mit nach Dernau zu fahren?

Bilder, Videos und Erzählungen bewegen einen dazu helfen zu wollen.

Was war mein erster Gedanke, als ich ins betroffene Gebiet eingefahren bin?

Es war im ersten Moment ein Schock, da Bilder und Videos überhaupt nicht das vermitteln können, was man mit eigenen Augen gesehen hat.

Mein schlimmster Eindruck?

Das Ausmaß der Schäden

Mein positivster Eindruck?
Die, trotz der Umstände, sehr positive Stimmung aller Menschen und die große Hilfsbereitschaft aller vor Ort. Man sieht auch jedes Mal aufs Neue die Fortschritte, die gemacht wurden.
Welche Auswirkung hat der Einsatz dort für dich persönlich?
Man sammelt neue Erfahrungen, überdenkt was man hat und schätzt es umso mehr. Außerdem ist es ein gutes Gefühl zu wissen, das man helfen kann.

Will ich nochmal nach Dernau fahren?

Definitiv, ich möchte die Entwicklungen und Fortschritte sehen.

 

Bericht von Nils vom 08.10.2021:

Ich war jetzt zum 3. Mal in Dernau im Einsatz; beginnend mit der 7. Woche, der 11. und der 12. Woche nach der Flut

Meine Aufgabe / Tätigkeiten dort?

Es gibt Tätigkeiten, die sich jede Woche wiederholen, wie zum Beispiel der Bezug und Aufbau unseres Quartiers (Anfangs in der Fahrzeughalle der Feuerwehr Dernau, aktuell im Verwaltungstrakt der Grundschule). Jeweils Räumlichkeiten, die sich wie eigentlich die gesamte Bebauung in Dernau im Rohbau-Zustand befinden.
Dann erfolgt die Meldung an die Feuerwehr Dernau, dass wir einsatzbereit sind und ab jetzt den Grundschutz für die Bürgerinnen und Bürger von Dernau und umliegender Bereiche übernehmen.
Man erkundet den Ort, um eventuelle Änderungen oder Anpassungen zur Vorwoche in Erfahrung zu bringen. Wichtig dabei, zum Beispiel die aktuellen Verpflegungspunkte und deren Öffnungszeiten. Hier erfolgt die Versorgung der betroffenen Bürgerinnen und Bürger und der dort im Einsatz befindlichen Helfer. Zum Teil in Räumen eines Winzerbetriebs, aber auch im Freien bzw. Zelten und Pavillons. Ansonsten wurden freitags noch Vorarbeiten fürs Wochenende oder andere kleinere Tätigkeiten durchgeführt.
Samstag und Sonntag standen dann ganz im Zeichen der Arbeit, direkt im Feuerwehrhaus Dernau oder in den Häusern betroffener Feuerwehrkameraden, und umfasste ein breites Spektrum an Tätigkeiten. Dies waren für mich:
Demontage eines Heizöltanks (8mm Stahl, Keller geschweißt, 12.000 Liter)
Weiterbau an einer neuen Fahrzeughalle in Holzbauweise (Innen – / Außenverkleidung mit OSB – Platten, Dämmung, Dampfsperre)
Dämmung der Nebenräume des Feuerwehrhauses mit Styropor – Dämmung
Besetzung des Feuerwehrhauses als Ansprechstelle für Anliegen aller Art
Diverse Möbel – und Materialtransporte
Verschiedene Einsatzlagen, von auslaufenden Betriebsstoffen, über einen ausgelösten Rauchwarnmelder bis hin zum brennenden Heizöltank.
Am Sonntag erfolgte dann ab ca. 14:00 Uhr der Abbau unserer Unterkunft, Verlasten des Materials und um 16:00 Uhr die Abfahrt in Richtung Dieburg

Was hat mich bewogen, mit nach Dernau zu fahren?

Die Bilder und Berichterstattungen über die Flutkatastrophe im Ahrtal ließen recht schnell erkennen, dass diese Einsatzlage nicht aus eigener Kraft zu bewältigen ist, und dass dort jede nur mögliche Unterstützung benötigt wird. Und direkter wie wir es tun, kann man den Menschen dort nicht helfen.

Was war mein erster Gedanke, als ich ins betroffene Gebiet eingefahren bin?

Ach du Sch….. ! Alle Bilder, Berichte und Videos, die ich mir im Vorfeld als Informationsquelle angesehen hatte, konnten nicht ansatzweise das wahre Ausmaß der Schäden und Verwüstung widerspiegeln.

Mein bewegender Moment?

Die Wünsche der Kinder an der Wunschleine, und das Spontan – Konzert Kölscher Bands auf dem Sportplatz – oder zumindest der Fläche die mal ein Sportplatz war – dass unter einer ganz besonderen Atmosphäre ablief. Mit Helfern und Betroffenen, die alle von den Strapazen und den Umständen gezeichnet waren, die mal gemeinsam lachten, um kurz darauf gemeinsam zu weinen. Die Kraft der Gemeinschaft und der Musik zu spüren, die es geschafft hat, dass alle ein paar Stunden vergessen haben und Spaß hatten.

Mein schlimmster Eindruck?

Das Ausmaß der Zerstörung und das Fehlen jeglicher Infrastruktur

Mein positivster Eindruck?

Der Zusammenhalt und der ungebrochene Wille der Bevölkerung, die sich an jeden noch so dünnen Strohhalm klammern und was daraus machen

Was ich von dort mitgenommen (Gefühl, Belastung) habe?

Demut und Dankbarkeit, für all das was ich habe und was einfach so als normal und gegeben hingenommen wird. Und das Gefühl, dass ich persönlich, im Vergleich zu den Menschen in Dernau, keine wirklichen Probleme habe.
Außerdem die erschreckende Erkenntnis wie ein Staat, der ein Hochtechnologie–Land sein möchte, bei der Abarbeitung einer solchen Katastrophe und der Unterstützung seiner Bürgerinnen und Bürger auf kompletter Linie versagt. Ohne die ganzen ehrenamtlichen Helfer wäre das Ahrtal auf sich alleine gestellt, und lange nicht so weit, wie es aktuell der Fall ist.

Welche Auswirkung hat der Einsatz dort für mich persönlich?

Man geht physisch und psychisch mal wieder an seine Grenzen, um dann gestärkt daraus hervor zu gehen, mit dem Gefühl wirklich geholfen zu haben. Mein Fazit: es war selten notwendiger und es hat sich selten mehr gelohnt, alles zu geben.

Welche Auswirkung / Vorteil hat der Einsatz dort für die Freiwillige Feuerwehr Dieburg?

Man wächst an den dort anfallenden Aufgaben; man wächst als Team noch besser zusammen und entdeckt Talente, die im normalen Feuerwehralltag im Verborgenen geblieben sind, man lernt wieder, dass man auch mit einfachster Ausstattung und Hilfsmitteln alles Bewegen und Erreichen kann

Will ich nochmal nach Dernau fahren?

Ja, auf alle Fälle. Ich fahre abwechselnd mit meiner Frau, die ebenfalls aktive Einsatzkraft ist, um die Betreuung unseres Sohnes und unserer Tiere sicherzustellen. Und ich werde es auch so lange tun, bis die Menschen in Dernau ihr Dernau wieder haben.
Und ich freue mich darauf, dann als Gast mit unserer Familie wieder dorthin zu fahren, um die Schönheit dieser Landschaft zu genießen, und um zu sehen, wie das Leben in Dernau, sicherlich in einem neuen Rahmen und im Gedenken an diese Flut, weiter geht.

 

 

Bericht von Michael vom 24.09.2021:

Mein erster Hilfseinsatz in Dernau startete am 24.09.2021 um 14 Uhr mit dem Treffen am Stützpunkt Dieburg. Nachdem unser Gepäck verstaut und die Einsatzfahrzeuge (TLF 20/40; WLF 1 mit Mulde; MTF 1 und GW-L) startklar waren, fuhren wir los.

In Dernau angekommen, bezogen wir unser Nachtlager in der Schule, machten uns mit den Örtlichkeiten sowie dem Dernauer Löschfahrzeug vertraut und übernahmen die Einsatzbereitschaft.

Am Samstag errichteten wir unter fachkundiger Leitung von Pierre zusammen mit ein paar Kameraden aus Dernau die Fahrzeughalle für das TSF in Holzständerbauweise. Am Nachmittag konnten wir tatsächlich schon Richtfest feiern!

Da an diesem Wochenende die Wahl der deutschen Weinkönigin stattfand und eigentlich auch Winzerfest mit Festumzug in Dernau gewesen wäre, war es alles in allem ein anderes Wochenende als die anderen! Trotz aller Umstände wurde das Winzerfest in abgespeckter Form gefeiert. Höhepunkte waren sicherlich die Wahl von Linda zur deutschen Weinprinzessin, welche per Live-Übertragung auf dem Dorfplatz verfolgt werden konnte, und der Überraschungsauftritt der Band Bläck Fööss am Samstag.

Am Sonntag stand dann für uns noch die Reinigung des Dernauer Feuerwehrfahrzeugs an. Weiterhin wurde ein Plan für die Elektrik im Feuerwehrhaus begonnen sowie eine Baustoffbedarfsliste erstellt. Anschließend packten wir wieder unsere Sachen zusammen und traten gegen 16 Uhr die Heimreise an.

Die Eindrückte, welche ich an diesem Wochenende erfahren konnte, waren ebenso unterschiedlich wie bewegend: Das Ausmaß der Zerstörung auch 10 Wochen nach der Flut ist enorm obwohl vieles bereits wieder aufgeräumt und notdürftig instandgesetzt wurde. Die Tatsache, von der Autobahn runterzufahren und um eine Kurve rum schon die heile Welt zu Ende ist und man sich im Katastrophengebiet befindet, ist irgendwie surreal.

Beeindruckend war die enorme Hilfsbereitschaft vor Ort durch z. B. die privat organisierten freiwilligen Helfer, die Verpflegungsorganisation von privater Seite (man bekommt einfach überall etwas zu essen), die ganze Logistik der Materialversorgung wie z.B. über den „Tante Emma Laden“ im Bahnhof oder die Handwerkerhilfe und auch die Versorgung durch die offiziellen Hilfskräfte.

Am meisten bewegt hat mich jedoch der feste Wille der Einwohner, weiter zu machen und alles wieder aufzubauen und trotz der Situation ihr Winzerfest zu feiern und ein paar Stunden alle Sorgen auszublenden!

Ich freue mich darauf, an einem der nächsten Wochenenden wieder nach Dernau zufahren, die Entwicklung zu sehen und wieder mitzuhelfen, dass ein weiteres Stück Richtung Normalität geschaffen wird.

 

Bericht von Marcus vom 17.09.2021:

Ich war zum ersten Mal dort (3. Wochenende im September; 9 Wochen nach der Flut)

Meine Aufgabe / Tätigkeiten dort?

Am Freitag haben wir das Feuerwehrhaus aufgeräumt und sauber gemacht und unsere Betten aufgestellt. Außerdem haben wir schon das Fundament für den Anbau vorbereitet. Samstag haben wir dann eine Holzdecke demontiert, einen Heizkessel aus einem Keller getragen und an mehreren Häusern den Putz abgeschlagen. Am Sonntag haben wir auf einem Carport das Dach mit OSB Platten geschlossen.

Was hat mich bewogen, mit nach Dernau zu fahren?

Ich hatte das Bedürfnis den Menschen dort zu helfen.

Was war mein erster Gedanke, als ich ins betroffene Gebiet eingefahren bin?

Es ist noch schlimmer als die Bilder in der Presse gezeigt haben.

Mein bewegender Moment?

Die teilweise bedrückte Stimmung der Bewohner.

Mein schlimmster Eindruck?

Das Ausmaß der Schäden, was Wasser anrichten kann.

Mein positivster Eindruck?

Die große Hilfsbereitschaft quer durch die Bevölkerung.

Welche Auswirkung hat der Einsatz dort für mich persönlich?

Ich bin sehr dankbar für die Familie, die ich habe.

Welche Auswirkung / Vorteil hat der Einsatz dort für die Freiwillige Feuerwehr Dieburg?

Ich denke, dass da eine Freundschaft zwischen der Feuerwehr Dieburg und der Feuerwehr Dernau entstanden ist, die hoffentlich bestehen bleibt.

Will ich nochmal nach Dernau fahren?

Auf jeden Fall, vielleicht kommt sogar meine Frau mit.

 

 

Bericht von Diana vom 03.09.2021:

Ich war zum ersten Mal dort (1. Wochenende im September; 7 Wochen nach der Flut)

Meine Aufgabe / Tätigkeiten dort?

Wir haben nach der Ankunft das Feuerwehrhaus bezogen, unsere Betten aufgebaut, die Turnhalle gereinigt (dort findet die Kinderbetreuung statt), Baumaterial geholt und die Einsatzbereitschaft für die Dernauer Feuerwehr übernommen. Dann haben wir den Ort erkundet und uns einen kleinen Überblick über das Ausmaß der Flutkatastrophe verschafft.

Am Samstag nach dem Frühstück haben wir uns aufgeteilt. Zwei Kameraden waren im Feuerwehrhaus und haben dort eine (Holz-)Decke verlegt. Die anderen sind zu einem Dernauer Kamerad gefahren und haben dort im Keller einen ehemaligen Öltank aus Stahl auseinandergeschnitten und aus dem Keller entsorgt. Das war körperlich sehr anstrengend, wir hatten einen hohen Verschleiß an Sägeblättern, aber am Abend hatten wir unsere Aufgabe erledigt und konnten den Keller leergeräumt übergeben. Zwischendurch hatten wir einen kleinen Einsatz, weil ein umgekippter Dieselkanister eine Ölspur verursacht hat. Diese haben wir abgestreut.

Am Sonntag haben wir die restliche Decke im Feuerwehrhaus verlegt und das Feuerwehrhaus aufgeräumt, sowie kleine Reparaturen am dortigen Feuerwehrfahrzeug vorgenommen. Dazu hatten wir noch einen weiteren Einsatz, einen ausgelösten Rauchwarnmelder, in einem entkernten Fachwerkhaus.

Man ist im Feuerwehrhaus auch immer Anlaufstelle, hilft mit Werkzeug aus oder gibt Auskunft, wo was zu finden ist.
Nachmittags fand auf dem ehemaligen Sportplatz ein Benefizkonzert von mehreren „kölschen“ Musikgruppen statt. Gedacht vor allem für die Dernauer Bevölkerung aber auch für die Helfer. Es war ein schönes Erlebnis zu sehen wie die Dernauer ihre Sorgen für einen Moment vergessen konnten und ihre „rheinische Fröhlichkeit“ wieder leben konnten. Die Stimmung war gelassen und fröhlich, das hat gut getan nach den belastenden Eindrücken.

Danach haben wir die Heimreise angetreten und waren Sonntag Abend recht spät wieder in Dieburg. Zu Hause haben wir geduscht und in unserem eigenen Bett gelegen. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, die wir jetzt aber doch sehr dankbar zu schätzen wussten. Am Montag Abend galt es dann unsere Fahrzeuge zu reinigen und das Material aufzuräumen.

Was hat mich bewogen, mit nach Dernau zu fahren?

Mich hatten schon die Bilder in den Nachrichten tief bewegt und in mir das Gefühl ausgelöst, dort helfen zu wollen. Insofern war ich froh über die Chance, die mir die Feuerwehr Dieburg geboten hat. Dort zu helfen, wo die Hilfe benötigt wird und ankommt, ist etwas anderes als einfach „nur“ Geld auf irgendein Konto zu spenden.

Was war mein erster Gedanke, als ich ins betroffene Gebiet eingefahren bin?

OMG, wie sieht es denn hier aus? Ist ja noch viel schlimmer als auf den Fotos

Mein bewegender Moment?

Der Wunsch eines Kindes (an der Wünscheleine), dass es sich wünscht, dass Dernau wieder bunt wird. Was muss in einem Kind vorgehen, um so einen Wunsch zu äußern?

Mein schlimmster Eindruck?

Das Ausmaß an zerstörten Häusern.

Mein positivster Eindruck?

Es ist dort so eine schöne Landschaft und ich habe die Hoffnung, dass es wieder genauso schön wird, oder vielleicht noch schöner. Die besondere Stimmung der Dernauer Bevölkerung, dieser Tatendrang, diese Wiederaufbau-Stimmung haben mich tief bewegt. Und diese tiefe Dankbarkeit, die man überall spüren konnte. Aber auch diese riesige Anzahl an freiwilligen Helfern, die dort einfach hinkommen und mit anpacken.

Mein Lieblingstier, der Esel, ist in Dernau überall präsent und hat eine ganz besondere Geschichte. Irgendwie war es Schicksal, dass ich in diesen Ort gekommen bin ;-)

Was ich von dort mitgenommen (Gefühl, Belastung) habe?

Tiefe Dankbarkeit für das was ich habe, meine Familie, meine Tiere, meine (eigenen) Sachen und mein Haus, alles Dinge, auf die viele Dernauer für lange Zeit verzichten müssen. Dazu Gelassenheit, ich möchte mich nicht mehr über Dinge des Alltags, scheinbare Probleme hier aufregen, das ist alles Nichts im Verhältnis zu dem, was die Menschen dort zur Zeit für Sorgen haben.

Welche Auswirkung hat der Einsatz dort für mich persönlich?

Ich bin ein wenig mit der Menschheit versöhnt, weil es doch noch so Viele gibt, die uneigennützig und freiwillig dort helfen. Daran hatte ich nicht mehr geglaubt.

Welche Auswirkung / Vorteil hat der Einsatz dort für die Freiwillige Feuerwehr Dieburg?

Diese Erlebnisse dort schweißen uns zusammen. Egal aus welchem Alarm-Zug, welches Alter, welche Persönlichkeit, die Arbeit dort verbindet uns. Und wir haben uns auch wieder besser kennengelernt, waren dank der Pandemie lange nicht zusammen, uns fehlten die persönlichen Kontakte untereinander, die wir dort intensiver erleben konnten. Außerdem profitieren wir letztendlich auch aus den praktischen Erfahrungen dort, weil die Tätigkeit dort nicht unbedingt unser tägliches Geschäft ist.

Will ich nochmal nach Dernau fahren?

Auf jeden Fall, auch wenn das für uns organisatorisch nicht so einfach ist, da wir ein kleines Kind und Haustiere haben und die Betreuung organisieren müssen. Ich hoffe, dass es im Oktober klappt und wir entweder gemeinsam oder nacheinander noch einmal dorthin zurück kehren können. Es war aber definitiv nicht mein letzter Besuch vom Ahrtal. Später einmal möchte ich auch sehen, was daraus geworden ist.

 

 

Bericht von Erik vom 22.08.2021:

Gut einen Monat nach den verheerenden Überflutungen ist die Feuerwehr Dieburg mit einer Gruppe (9 Personen) und drei Fahrzeugen zum zweiten Wochenendeinsatz nach Dernau gefahren. Start war dieses Mal schon Freitagmorgen um 6:30 Uhr, weil wir den Einsatzdienst ausnahmsweise bereits um 10:00 Uhr übernehmen sollten. Trauriger Anlass: für 11:00 Uhr war die Beerdigung der beiden bei der Unwetterkatastrophe tödlich verunglückten Feuerwehrmänner angesetzt und deren Kameradinnen und Kameraden sollten in Ruhe Abschied nehmen können.

Neben unserer Hauptaufgabe, nämlich den örtlichen Brandschutz sicherzustellen, erledigten wir zahlreiche kleinere Hilfeleistungen wie hier eine Leiter hinbringen, dort Wassertanks füllen, dann wieder zwei Personen zur Unterstützung bei Hebearbeiten abstellen usw. Und immer, wenn wir am Gerätehaus waren, wurde dort am Wiederaufbau gearbeitet. Für uns hieß das konkret, die Wände unter dem Dach mit Bohrhämmern vom nassen Putz zu befreien. Die andere Hälfte der Mannschaft richtete derweil in der gegenüberliegenden Schule eine provisorische Feuerwehr-Einsatzumkleide aus gespendeten Spinden ein.

Konnten wir so noch die erste Nacht auf unseren mitgebrachten Feldbetten in der maroden Fahrzeughalle schlafen, war das in der zweiten Nacht nicht mehr möglich, da am Samstagmorgen eine große und perfekt ausgestattete Truppe aus Grafschaft bei Oldenburg angereist war, die mit ihrem schweren Räumgerät (Containerfahrzeug, Bagger, Kompressor-Anhänger mit Presslufthämmern) das Gerätehaus „auf links drehte“. Das heißt, der Boden einschließlich Fliesen und Estrich wurde entfernt, die defekten Toiletten rausgerissen, die restlichen Wände in Rohbauzustand versetzt. Deshalb verbrachten wir dann die zweite Nacht mit rund 15 anderen Helfern im Saal des ebenfalls in Mitleidenschaft gezogenen, aber im 1. OG leidlich nutzbaren Bürgerhauses. Am Sonntag letzte Abbrucharbeiten, grobe Reinigung und einräumen der vor dem Schmutz in Sicherheit gebrachten Einsatzmittel. Pünktlich um 16:00 Uhr konnten wir am Nachmittag unseren Einsatz beenden und die Heimfahrt müde und schmutzig antreten. Gegen 19:00 Uhr wieder Ankunft in Dieburg.

Weil meine Frau und ich im Sommer 2017 hier unseren Urlaub verbrachten und somit das vom Tourismus und Weinanbau geprägte Ahrtal noch von der Zeit vor den Ereignissen im Juli 21 kennen, machte sich mit der Einfahrt in das Tal bei mir Beklemmung breit. Straßen, Brücken, Häuser, Wander- und Radwege, die wir nutzten, Lokale in denen man seinerzeit selbst saß, alles total zerstört, zum Großteil ganz weg. Unser damaliges Hotel in Mayschoss eine Ruine. Eigentlich unvorstellbar und doch real.

Unfassbar fand ich allerdings dann die Unmenge an Helfern, die dort wie selbstverständlich seit Wochen unterstützen und den Betroffenen nicht nur Mut für den Neuaufbau geben, sondern von morgens bis abends mit anpacken, jeden Tag im Dreck verbringen und immer positiv gestimmt sind. Trotz der katastrophalen Infrastruktur (kein fließendes Wasser, oft nur Notstrom, zentimeterdicker Staub auf den Straßen, oder dem, was davon übrig blieb, keine Nachbeleuchtung, leere Häuser, etc.) funktioniert dank Einsatz der Freiwilligen irgendwie doch fast alles. Es gibt zentrale Essensplätze, Dusch- und Waschcontainer, improvisierte „Kaufhäuser“, Lagerplätze für Arbeitsgeräte, Tanklastzüge, die Helferfahrzeuge betanken usw. Ach ja, Geld braucht man dort zur Zeit keines und Corona gibt es auch nicht…

Für uns als Dieburger Feuerwehr ist dieser Einsatz anders, als alles was wir hier in Dieburg bis jetzt gemacht haben. Wir arbeiteten dort als Mannschaft fast drei Tage rund um die Uhr zusammen. In Personalkonstellationen, die so in aller Regel eher ungewöhnlich sind, mit Geräten, die wir sehr selten einsetzen, in Lagen, die wir so bis jetzt nicht kannten. Gerade in einer Zeit, in der Corona praktische bzw. Präsenz-Übungen seit fast 18 Monaten unmöglich machte, ein unschätzbarer Gewinn an Erfahrung und Kameradschaft für alle Mitfahrer und unsere Einsatzabteilung.